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09. Januar 2026

Unrentable Flächen sinnvoll nutzen

Interview mit unserer Kundin

Dorte Holländer - Ökokontofläche in Twedt
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im Gespräch mit Dorte Holländer

Wenn eine Fläche nicht mehr passt: Warum Dorte Holländer sich für ein Ökokonto entschieden hat.

Manche Flächen erzählen ihre Geschichte leise. Sie liegen abseits, sind schwer zu bewirtschaften, bringen wenig Ertrag – und bleiben doch Teil einer Landschaft, die sich stetig verändert. Gerade solche Flächen, wie zum Beispiel Ackerland oder Grünland, stellen Eigentümerinnen und Eigentümer vor die Frage, wie es sinnvoll weitergehen kann: weiter nutzen, verpachten, liegen lassen – oder etwas ganz anderes wagen?

In der Gemeinde Twedt, nahe der Loiter Au, stand auch eine landwirtschaftliche Fläche vor genau dieser Entscheidung. Jahrzehntelang wurde sie unterschiedlich genutzt, zuletzt jedoch immer schwieriger: Überschwemmungen, eingeschränkte Bewirtschaftung und ein hoher Arbeitsaufwand machten deutlich, dass klassische Nutzungskonzepte hier an ihre Grenzen stießen.

Statt die Fläche weiter „mitlaufen“ zu lassen, entschied sich die Eigentümerin, Frau Holländer, für einen anderen Weg. Gemeinsam mit ecodots entstand ein Ökokonto, bei dem aus ehemals intensiv genutzten Acker- und Grünlandflächen artenreiches Dauergrünland und neue Knicks wurden – ökologisch sinnvoll und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig für die Eigentümerseite.

Im folgenden Interview spricht Frau Holländer darüber, warum sie sich für diesen Schritt entschieden hat, welche Bedenken sie anfangs hatte und wie sie heute auf die Entwicklung der Fläche blickt.

Wie wurde diese Fläche vor dem Projekt genutzt?

Ja, ich hatte zum Teil Grünland und es liefen dann ein paar Tiere drauf - das war sowieso schon relativ extensiv . Die andere Ecke, die dann noch dazu gekommen ist, war Ackerland. Da habe ich Kürbis im großen Stil angebaut und es hat mir immer so gut gefallen, dass da schon die Tierwelt so sehr anders war als auf anderen Ackerschlägen. Also auf einem Weizenfeld, da trifft man nicht so viele Tiere. Da war immer was los, zum Beispiel Rehe und Hasen und Fasanen - das war sehr auffällig. Die Tiere haben sich wahrscheinlich darüber gefreut, dass dort mal ein Stück Acker ist, der anders bewirtschaftet wird als mit den typischen drei Feldfrüchten, die sonst überall wachsen.

Okay, hat sie das dann auf die Idee gebracht, die Fläche anders zu nutzen?

Ja, also ich bin in einem Alter, wo man dann mit der aktiven Landwirtschaft sinnigerweise aufhört und überlegt, wie es weitergeht. Und da fand ich die Idee, das extensiv zu machen und der Natur etwas zurückzugeben, ansprechend. Das war mein Beweggrund. Und mir fehlten die Rebhühner. Ich hoffe, ich kriege jetzt durch die stillgelegten oder extensiv gestellten Flächen dann auch mal ein paar Rebhühner da hin.

Gab es Überlegungen, wie die Fläche künftig genutzt werden könnte – oder wäre sie eher „mitgelaufen“?

Ja, also ich habe den Großteil der aktiven Landwirtschaft mit Hofladen und Direktvermarktung eingestellt. Das schafft man nicht mehr so gut, wenn man allein und über 60 ist. Es gab schon Landwirte rundherum, die die Flächen gerne pachten wollten. Allerdings brauchen die großen Ackerflächen. Da klang schon durch, dass es nur kleine Ecken wären, die eigentlich zu klein für die Maschinen wären und die man halt so mitnähme. Da habe ich mir gedacht, so Leute, das gefällt mir nicht, da lasse ich mir was anderes einfallen.

Ich wollte zuerst alle Flächen extensiv umstellen, aber da hat Herr Pohlmann mich beraten, dass das wirtschaftlich nicht sinnvoll sei. Wenn man richtig gute Ackerstandorte nachher extensiv nutzen will, gibt es nicht so viel Entschädigung. Und dann hat er mir einen Vorschlag gemacht, was aus seiner Sicht sinnvoll wäre, und hat das auch sehr gut erläutert - da konnte ich also mitgehen.

Und ich hatte noch ein paar eigene Ideen. So kamen wir dann gemeinsam zu diesen rund 11 Hektar, die jetzt extensiv genutzt werden.

Und was waren ihre Ideen, was sie einbringen wollten?

Ja, mir spuckte dann noch im Kopf rum wie Streuobstwiesen, was ja auch gehen würde. Oder auch Senken und Teiche. Das fanden Herr Pohlmann und der Landschaftsplaner auch gut, aber das Archäologische Landesamt hatte dann was dagegen gegen die Senken und Teiche. Es handelt sich um Flächen, wo archäologische Funde vorkommen könnten. Und dann soll vermieden werden, dass bei Erdarbeiten etwas auf ewig vergraben wird, was dann vielleicht in einigen Jahrzehnten mal interessanter sein könnte.

Gab es weitere Herausforderung bei dem Projekt?

Nein, sonst keine. Ein paar Teiche hätten mir sehr gefallen, aber die Grünflächen sind an einer Au und sie werden in regenreichen Perioden sowieso überschwemmt. So war das ok für mich. Das Wasser der Au hätte die Teiche sowieso nur überschwemmt.

Die Überschwemmungen entstehen so oder so. Das war auch der Grund, warum die Fläche in den letzten 10 bis 15 Jahren nie intensiv genutzt wurde, selbst wenn ich gewollt hätte. Der letzte, der das versucht hat, war mein Vater. Aber da haben sich die Trecker danach auch nur festgefahren. Es wäre also Unsinn gewesen, das zu versuchen.

Dann hat die Nähe zur Au eine Rolle gespielt?

Ja, natürlich. Es ist aber auch eine idyllische Landschaft da unten. Ich habe mich auch immer gerne dort aufgehalten, die Rinder besucht, bin spazieren gegangen oder bin einfach nur dagesessen und habe die Landschaft genossen. Das ist einfach schön, wenn eine Au durch ein Tal fließt.

Gab es eigentlich Bedenken oder Unsicherheiten am Anfang?

Die Bürokratie schreckte mich ab, weil ich dachte, ich müsse selbst zur Unteren Naturschutzbehörde gehen oder Ähnliches. Aber das hat alles ecodots übernommen. Das zweite, was mich sorgte, waren die Steuern. Wenn man die Nutzungsentschädigung bekommt, ist das ja ein hoher Betrag. Ich dachte, ich hätte auf einmal ein hohes Einkommen, müsste zum Spitzensteuersatz versteuern und gleich wieder die Hälfte abgeben. Das hätte ich nicht wirtschaftlich gefunden.

Es ist aber zum Glück so, dass ich die Steuern umgelegt auf 20 Jahre zahle. Ich zahle also 20 Jahre lang immer ein kleines Stückchen Steuern. So fand ich das sehr lukrativ und in 20 Jahren hätte die Inflation ja auch schon viel geschluckt. Ich stand ständig im Gespräch mit dem Steuerberater, weil ich genau wissen wollte, was da auf mich zukommt.

Nachdem sich die Bedenken aufgelöst hatten, wie haben Sie denn den Prozess dann insgesamt erlebt?

Ja, perfekt. Außer, dass ich unterschreiben musste, hatte ich tatsächlich keine Arbeit. Das hat glücklicherweise ecodots übernommen.

Dann hatten sie mit Planung und Umsetzung gar nicht viel zu tun?

Richtig. Bis auf meinen Mann. Er ist Biologe im Institut für Wiesen und Feuchtgebiete und er ist dann tatsächlich noch mit dem Planer von ecodots über die Flächen gegangen und hat vorgeschlagen, was er als Naturschützer am liebsten hätte. Und ecodots hat dann geschaut, was möglich wäre und beide sind zu einem Kompromiss gekommen. Da habe ich mich rausgehalten. Was beim Naturschutz sinnvoll ist, überlasse ich lieber den Experten.

Gab es irgendetwas, was sie im Nachhinein überrascht hat?

Die schnelle Auszahlung. Ich habe gedacht, das zieht sich über 20 Jahre hin. 2024 hatte ich für das Projekt unterschrieben, und rund ein Jahr später habe ich schon die gesamte Nutzungsentschädigung bekommen. Diese wird ausgezahlt, sobald die Firma Ökopunkte verkauft hat - das ging viel schneller als erwartet.

Was hat sich für sie durch das Projekt verändert?

Ich war sehr erleichtert durch den finanziellen Spielraum. Und jetzt kann ich mir zufrieden anschauen, wie sich die Flächen entwickeln. Irgendwann laufen da Tiere und das ist dann einfach schön.

Sie verfolgen, wie sich die Natur verändert?  

Ja, ich gehe auch tatsächlich über die Flächen, um mir anzuschauen, was an Kräutern wächst oder was an Tieren herumläuft. Jetzt im Winter sieht man gut die Trittsiegel von all den Tieren sehen, und da ist viel los. Es ist deutlich erkennbar, dass die Rehe da sehr gerne äsen, wahrscheinlich weil da eben nicht nur das deutsche Weidegras wächst, sondern diverse Kräuter, was ihnen Abwechslung bietet. Ich sehe auch sehr viele Mäuselöcher. Viele Mäuse sind sicherlich gut für Eulen und Greifvögel. Ich hoffe, dass alles auch einen positiven Effekt auf die Tierwelt hat.

Welchen Vorteil sehen Sie heute für sich als Eigentümerin?

Der Kürbisanbau war sehr arbeitsintensiv, weil dauernd gehackt, gepflanzt und gewässert werden musste. Jetzt bin ich diese Anstrengung los und betreibe keine intensive Rinderhaltung mehr. So konnte ich diese Flächen, die ja nur bedingt noch etwas wert waren, bestmöglich nutzen. Eine extensive Rinderhaltung kann ich immer noch machen, sobald sich eine Grasnarbe gebildet hat.

Würden Sie anderen Flächeneigentümern die Verpachtung empfehlen? Wenn ja, warum?

Ja, das habe ich sogar schon versucht. Ich kenne mehr Landwirte, die in diesem Alter sind, wo man dann sagen muss „Jetzt hört es mal auf.“ Ich habe das schon ein paar Mal vorgeschlagen, aber ich habe festgestellt, dass viele damit nichts anfangen können. Einige verwechseln das auch mit der Stiftung Naturschutz. Das ist aber ein anderes Modell, da sie die Flächen den Landwirten abkauft und dann entwickelt. Zu vermitteln, was Ökopunkte sind, war gar nicht so leicht.

Haben Sie neben der Nutzungsentschädigung auch ein ökologisches Interesse?

Ich habe ein starkes ökologisches Interesse. In meiner Kindheit habe ich Zuckerrüben per Hand gehackt, und da haben wir bei der Arbeit noch viele Tiere gesehen. Und dann waren sie weg. Ich hoffe, dass nun ein bisschen Natur zurückkommt. Das ist wirklich mein Wunsch nach 40 Jahren als Landwirtin.

Das war ein schönes Schlusswort. Wir danken Ihnen für das Interview.